© 2016 Jonas Maria Ried   

DIE FEUCHTE DER FLUSSRÄNDER - Eine Ausstellung in Kooperation mit dem MAVA-Kollektiv (Marlon Lanziner und Valentino Biagio) im Bahnwärterhaus / Villa Merkel 

In der spätromantischen Phase und der einsetzenden Industrialisierung, in dessen Folge der Ausbau der Schienennetze voranschritt, war der heute fast ausgestorbene Beruf des Bahnwärters nicht wegzudenken.

Solch ein sesshafter und an seinen Arbeitsort gebundener Bahnwärter, der den Reisenden die Ferne ermöglicht, ist die passende Figur für eine Ausstellung, die Natur- und Wetterphänomene, die Weite, ja das Außen nach Innen stülpt.

Eine skurrile, fragil-romantische aber auch erotisch-ökologische Sphäre die spätestens ins Wanken gerät, wenn die Züge vorbeirauschen.

Dream of Iceland (winter storm sound - 8 hours of snowdrift, heavy wind, snowstorm, blizzard ambience for relaxation), 2017, 8h Video

 

Leute haben mir erzählt, dass Island auch nicht mehr das sei was es mal war... Massentourismus und Industriekomplexe entmystifizieren und entromantisieren das Erlebnis von Weite, Leere, dem Rauen... ein fehlendes Gefühl von nur Ich und Natur...

Dieser für Touristen schwer zu erreichende Ort, wo Naturgewalten die Menschen noch hinter die vier Wände oder in die heißen Quellen treiben, war einmal.

Die logische Konsequenz also... daheim bleiben und das entglittene romantische Bild wieder erarbeiten!

Nach kurzer Recherche im Internet fand ich bis zu 24 Stunden lange Echtzeitaufnahmen von Schneestürmen, Wellengang, Regen, Gewitter usw.. Es war also nicht meine Idee, ein Naturerlebnis im Bett zu erfahren. Durch nächtliche Beschallung mit Island-Sounds, Videoprojektion und Düften erhoffte ich mir einen Klartraum oder einfach einen Traum von der Ferne - einer Ferne die es nicht mehr gibt.

Ausstellungsaufbau während einer Fronleichnamsprozession in Fürstenfeldbruck 2016